Was einmal „Inhalt“ hieß, Journalismus, Kunst, Literatur, Film, wurde durch ein einziges englisches Wort zu austauschbarer Ware nivelliert. „Content“ impliziert, dass ein Gefäß gefüllt werden muss, egal womit. Wo „Inhalt“ nach dem Kern fragt, fragt „Content“ nach dem Volumen. Eine Abrechnung.
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Alles ist im Fluss
Die KI-Propheten predigen Anpassung als Naturgesetz: Skills statt Abschlüsse, lebenslanges Lernen statt Bildung, Flexibilität statt Verwurzelung. Alles ist im Fluss – aber wohin fließt er? Dieses Théorie-Dérive durchquert Heraklit und das Daodejing, Baumans flüssige Moderne und Eva von Redeckers Bleibefreiheit. Was dabei sichtbar wird: Die Propheten selbst stehen am Ufer. Ins Wasser schicken sie andere.
Tech-Kapital und autoritäre Politik finden zueinander – das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Wahlverwandtschaft. Rainer Mühlhoff nennt es den neuen Faschismus. Hito Steyerl spricht von „artificial stupidity“. Marx hat die Mechanismen schon beschrieben. Die Frage ist nicht, ob das Spiel aus ist. Die Frage ist, ob wir mitspielen.
Das Gespenst der künstlerischen Autonomie
Während Künstler:innen darüber streiten, ob ihr Werk „KI-frei“ ist, generieren autonome Waffen Todeslisten. Die Debatte um künstlerische Autonomie ist ein Zwergenaufstand – eine Ablenkung von Tech-Feudalismus, Neokolonialismus und der globalen Unterklasse der Datenproletarier. Ein Furz im Wind.
Systemisches Gaslighting
Systemisches Gaslighting ist kein Bug, sondern ein Feature. Gitta Peyns FORMWELT-Analyse trifft auf Miranda Frickers epistemische Ungerechtigkeit und Byung-Chul Hans Psychopolitik: Wie Konditionierung uns beibringt, unserer Wahrnehmung zu misstrauen – und warum neurodiverse Menschen die Sensoren sind, nicht die Gestörten.
Die Universalismen der Anderen
Wer den Anderen die Fähigkeit zum Universalismus abspricht, reproduziert koloniale Logik. Die Drift durch Laozi, Ubuntu, Mengzi und Dussel zeigt: Der Westen hat kein Monopol auf universelle Ansprüche. Die Menschenrechte sind legitimiert durch Kämpfe, nicht durch Unterschriften kolonialer Staatskonstrukte.
Autarkie in den Rissen
Autarkie kippt ins Totalitäre, wo sie sich verabsolutiert. Aber in den Rissen kapitalistischer Mobilisierung wächst Widerständiges – nicht als Rückzug in Festungen, sondern als störrisches Verweilen im Nicht-Skalierbaren. Der Matsutake zeigt: Wer der Kommodifizierung entgleiten will, braucht Porosität, nicht Mauern.
Autarkie und autoritäre Drift
Autarkie kippt ins Totalitäre, wo sie sich verabsolutiert, Exit-Optionen verstopft und jede Relativierung verliert. Indigene, Klöster, Taoismus zeigen Gegenwege: kosmologische Einbettung statt Souveränitätswahn, rhythmische Öffnung statt Grenzfixierung, Sollbruchstellen im System. Geschlossene Gemeinschaften brauchen Porosität – durch Handel, Transzendenz, Diskurs oder prozesshafte Selbstauflösung.